Sonntag, 18. Dezember 2005

Bis nur noch Fetzen übrig bleiben.

Obwohl ich ihn zunächst als leer befunden hatte, scheint mein Kopf mir nun stetig gegen die nächste Wand zu rennen. Noch gestern Nacht habe ich versucht, ihn mit tausend Tassen Jasminblütentee zu ertränken oder es zu mindestens zu schaffen, dass mein Gehirn weggespült werden würde. Und weil ich mir der Methode nicht zu sicher war, hörte ich mir die ganze Nacht nur ein Lied über Kopfhörer an, in der Hoffnung, dass wenn ich sie ausschalten würde, meine Gedanken nur noch ein undeutliches Rauschen sein würden und ich vergessen könnte, was sie dachten.

Aber als ich heute Morgen immer noch erschöpft wieder aufwachte, begriff ich, dass ich alles in meinem Kopf nicht bändigen konnte. So greife ich zur letzten, für mich erdenklichen Variante und schreibe nieder, dass es mich quält und dennoch mag ich mich hüten, es zu benennen, denn ich glaube, die namentliche Gewissheit in meinem Kopf und dann in meinem Herzen werde ich erst recht nicht los. - Aber wie sinnvoll ist auch eine Gegenwehr, wenn ich weder so noch so etwas dagegen oder dafür tun kann? Es ist grässlich, auf einen Wartestuhl geknebelt zu sein, während eine andere sich im Behandlungszimmer befindet und du? - du bist machtlos. Du, du siehst nur die Schatten hinter dem Milchglas huschen und gerade weil du nichts direktes erkennen kannst, quält dich deine Fantasie mit ihren farbenfrohen Blumen, an deren Blüten du dich nicht erfreuen kannst, weil du nur die Dornen spürst. Und irgendwann begreifst du, dass dich niemand in dieses Wartezimmer gezwungen hat; dass du selbst hinein gegangen bist und dich selbst damit folterst, weil du nicht mehr raus kommst, obwohl du doch so genau wusstest, was dich drinnen erwarten wird. Hast du es - mit diesem Hintergrund - hast du das alles dann verdient?

Und so schlittere ich von der einen zur nächsten Tür und jedes Zimmer nimmt mich anders mit, als ob ich des anderen Leid mit mehr Verstand zu spüren scheine, als mein eigenes zu behandeln wüsste...

Celice.

Sonntag, 4. Dezember 2005

leere Tatsachen in Aluminium.

Je eher ich daran geglaubt hatte, dass es etwas dauern würde, bis ich daran denkend den Schmerz vergesse, so weniger hatte ich damit gerechnet, nur noch durch unauffällige Kleinigkeiten daran erinnert zu werden und dies nicht einmal schmerzlich. Es fühlte sich wie eine geschlossene Wunde an, bei deren Berühung ich nichts mehr spüre. Selbst das Kribbeln einer Heilung scheine ich übersprungen zu haben. Ehrlicherweise kümmert es mich nicht. Nicht wirklich.

Mehr scheint momentan einfach nicht in meinem Kopf zu sein.

Celice.

Nachtrag: Aber vielleicht ist es einfach nicht fair, etwas aufzugeben ohne es dennoch versucht zu haben. - Nur wie fair ist es dann, es zu versuchen, obwohl der Verstand ganz ohne Kopf weiß, das es aussichtslos ist?

Dienstag, 29. November 2005

Wer weiß schon, was kommt. Und vor allem: Wer weiß, was nicht kommt?

Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich mich gefangen hatte. - Dunkelheit - so habe ich gemerkt - ist oftmals für meinen Zustand einfach nicht förderlich. Habe versucht, mich abzulenken, bis ich schlussendlich heute an dem Punkt war, an dem ich verärgert und verletzt davon reden konnte. Der Abschließungsprozess wird noch etwas dauern, aber ich hoffe, dass ich etwas Trost in Anlehnung finde.

So geht das eben mit den Dingen. Tränen bleiben da nur eine emotionale Überreaktion. Na ja. - Ich bin - eigentlich - noch immer etwas verwirrt. Oder gar mit der Situation überfordert. Fehlende Reife? Wer weiß.

Celice.

Montag, 28. November 2005

Da sind sie ...

... die Tränen.
Ich könnte mich so ärgern.


tiers

getilgt und verabschiedet.

Ich konnte vergangene Nacht kaum ein Auge zumachen. Ich war aufgeregt, neugierig und voller Hoffnung auf den nächsten Tag. So viel, dass ich sogar geglaubt habe, dass mich ein Stern meiner Lichterkette angefunkelt hat. Ich habe es als ein gutes Zeichen gesehen. Und jetzt sitze ich hier und frage mich: "Ein gutes Zeichen, für was?"

Vielleicht ist Gewissheit die kürzere Variante des Schmerzes. Oder vielleicht bringt sie eine kürzere Periode jenes hervor. Aber dennoch lässt sich nichts davon abbringen, dass es Schmerz bleibt. Es ist der Schmerz darüber, dass ich spüre, wie man mich in die Luft wirft und dort in tausend Teile zerreißt und es ist der Schmerz darüber, dass ich mich wieder eigenständig sammeln muss.

Äußerlich wahrt meine Hülle und dann versetzt es mir mehr und mehr einen Stich darüber, dass es mein tiefes Gefühl ist, das man lüstern über den Dingen zerpflückt.

Ich bin also doch den Berg hinab gerodelt, begleitet mit der stillen Hoffnung, dass die Abfahrt ewig dauern würde. Oder, dass man sie zumindest fortsetzen könnte. Jetzt allerdings bin ich gebremst, schließe meine Augen und stütze die Ellenbogen auf den Schlitten. Dass andere an mir vorbei sausen, ja darüber bin ich mir bewusst. Und dass einige anhalten und nach meinem Befinden fragen, ist fast so erschütternd wie das Begreifen, dass ich darüber nicht sprechen will, weil es mir so banal in Worten ausgedrückt vorkommt. Aber in Wirklichkeit tut es weh.

Celice.

Sonntag, 27. November 2005

Where'd you go?

In Wahrheit ist der Glücksmoment am Gipfel nicht entschädigend genug für den langen Anstieg. Deshalb war ich nie gern rodeln und deshalb war ich auch nicht böse darüber, als mir damals mein Schlitten aus dem Keller geklaut wurde.

Noch trügerischer an der Sache ist zudem auch, dass man die Abfahrt an sich nicht als solche zu entlarven versteht. Der Wind, die Geschwindigkeit und das durch die Kälte betäubte Gefühl üben eine verlängernde Wirkung auf den Moment aus und vielleicht ist deshalb das Ende so ernüchternd.

Ich habe nie verstanden, warum es ein Auf und Ab geben muss. Warum Bewegung nur daraus bestehen soll und warum nicht alles einfacher ist. Aber selbst wenn ich bestimmen müsste, was simpler sein könnte, wüsste ich nicht, ob ich Auf oder Ab nehmen sollte. Vielleicht weil ich weiß, dass ich nie ganz am Tief- oder Hochpunkt verweilen kann.

Mich quält mein Zustand. Mich quält die Erkenntnis, dass ich die Abfahrt nicht eher erkannt habe. Dass ich über den Gipfel noch immer nicht lächeln kann. Mich zermatert die Vorstellung von meinem Herzen; davon bekomme ich Bauchschmerzen wie von jeder Erinnerung. Ich kann nicht sagen: "Das ist unser Lied." Ich muss sagen: "Das ist mein Lied."

Ich warte die Peripetie ab, auf dass sie mich noch weiter reinreite.

*seufz*

Celice.

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